Ich könnte den Beitrag ziemlich genau so anfangen, wie den Beitrag Drei Wochen Baby-Review – Zeit ist relativ: Übermorgen wird unser Junior schon zehn Wochen alt – und ich kann es irgendwie kaum glauben.

Die Zeit rennt in Summe nur so dahin. Inklusive kleiner Moment, wo sie das noch schneller tut, als ich es für möglich halten würde. Und Momenten in denen die Zeit still zu stehen scheint – mehr dazu gleich.

“Sie werden ja so schnell groß!”

Naja, das vielleicht nicht, aber die Entwicklung unseres Juniors – und vermutlich ebenso die Entwicklung jeden anderen Babys – ist schon Wahnsinn.

Wir schauen quasi jede Woche aufs Neue zurück und denken uns Sachen wie “krass, erinnerst du dich noch an damals als

  • … ich dir das Baby abends nicht abnehmen konnte, weil es unbedingt bei dir sein wollte?
  • … er noch in die Größe 2 Windeln gepasst hat?
  • … er seinen Kopf in Bauchlage noch nicht hochheben konnte?
  • … er noch aus Versehen gegrinst hat?
  • … er ab und an abends mal fünf (elendig lange) Minuten am Stück geweint hat?
  • … er mitten im 8.-Woche-Schub war?
  • … er tagsüber noch so viel geschlafen hat?
  • … er den Kinderwagen total scheiße fand?
  • … er den Kinderwagen und die Babytrage total scheiße fand?
  • … er draußen nur auf dem Arm geschlafen hat?

Wenn man die Entwicklung tagtäglich mitbekommt, wird einem erst so richtig bewusst, was so ein kleines Wesen erstmal alles lernen muss, bevor es so richtig ins Leben starten kann. Und das Lernen wird auch dann niemals aufhören.

Ein Baby ist ein Fulltime-Job.

Wenn ich an den Wochenenden oder an Feiertagen wie heute so mitbekomme, was ein solch kleines Geschöpf an Aufmerksamkeit braucht / möchte, ziehe ich jedes Mal meinen imaginären Hut vor der Mama.

Alleine mit Baby zuhause mal eben schnell eine halbe Stunde in der Küche zum Kochen verbringen. Mal kurz raus zum Einkaufen (Mietwohnung in Hamburg, dritter Stock, Kinderwagen im Keller und noch eine Treppe vorm Haus). Mal eben durch die Wohnung saugen. An vielen Tagen ziemlich unrealistisch. Da ist keine Zeit für da – siehe oben.

Neben dem Fulltime-Job & Baby bleibt wenig Zeit.

Wenn ich nicht gerade arbeiten bin, versuche ich möglichst viel Zeit mit Baby zu verbringen respektive Baby der Mama mal ein bisschen abzunehmen oder Aufgaben zu erledigen, die halt nicht einfach mal neben der Ganztags-Baby-Betreuung passieren können. Da bleibt dann auch nicht viel Zeit für andere Dinge, wie zum Beispiel neue Blog-Artikel.

Die wichtigsten Anschaffungen bisher

Nach zehn Wochen kann ich sagen, dass sich folgende Anschaffungen so richtig gelohnt haben:

  • So ein aufblasbarer Hüpfeball, der so gut für den Rücken sein soll: Nichts ermöglicht gleichmäßigere (auf und ab) Bewegungen, die unser Baby traumhaft findet. Könnte mir vorstellen, dass das auch für andere Babys gilt.
  • Eine Wickelkommode bzw. unser selbst gezimmerter Aufsatz für eine Kommode des großen schwedischen Möbelhauses. Da verbringt ein Baby nämlich echt viel Zeit. Wir Pfeifen hatten sogar kurz mit dem Gedanken gespielt, dass Baby einfach mal eben immer auf dem Sofa zu wickeln … Für unser Baby ist die Wickelkommode sogar ein magischer Ort: Baby auf die Wickelkommode legen und es guckt vergnügt durch die Gegend. Ohne körperliche Anstrengung von Seiten der Eltern.

Alleine die beiden Sachen sind Gold wert.

Das Baby als Test für die Beziehung

Beim Fußballtraining legt man es bewusst darauf an, das Feld zu verkleinern, um bestimmte Situationen öfter herauf zu beschwören, als es im normalen Spiel der Fall wäre. Ein Baby macht das in etwa für bzw. in einer Beziehung.

Mit Baby gibt es deutlich mehr Situationen, wo Meinungen oder Ansichtsweisen aufeinanderprallen, bei denen man normalerweise gar nicht glauben würde, was die für ein Konfliktpotenzial haben.

Beispiele? Hier kommen sie. Aber eins noch vorab: Wenn du beim Lesen nicht nachvollziehen kannst, was an den Situationen schlimm sein soll; hätte ich mir vor zehn Wochen auch nicht vorstellen können.

Ich eile ja schon vs. es kann nicht schnell genug gehen

Einen Nachmittag hatte ich Junior auf dem Arm, wir standen im Flur und ich war am berichten, wie viel ich für lose abgefülltes Studentenfutter ausgegeben hatte und sagte der Mama: “Guck doch mal auf den Einkaufszettel”. Mama sucht sich den Einkaufszettel aus meinem Geldbeutel und in dem Moment fängt Junior an zu schreien. Es war Essenszeit. Mama steckt den Einkaufszettel zurück in den Geldbeutel, nimmt mir Junior ab und geht zum Stillen mit ihm ins Wohnzimmer.

Konfliktpotenzial? Oh ja. In dem Moment, als Junior vor Hunger angefangen hat zu meckern, konnte es mir alles gar nicht schnell genug gehen und ich hätte am liebsten gesehen, wie Mama den Geldbeutel und den Einkaufszettel fallen lässt, um mir Junior abzunehmen. Hat man wohl nicht nur meinem Gesichtsausdruck angesehen, sondern auch meinem “leg die Sachen doch einfach so hin, packe ich gleich weg” entnehmen können.

Anderes Beispiel von heute Morgen: Mama trinkt Kaffee auf dem Sofa und ich liege mit Junior auf seiner Decke herum, wollte aber noch duschen gehen. Kurzes Gespräch, dass ich dann duschen gehe, wenn der Kaffee alle ist. Der nächste Schluck Kaffee wirkte auf mich dann – warum auch immer – wie die Definition von nippen und mein Kopf denkt sich: Das macht die Alte doch extra. Jetzt trink den scheiß Kaffee halt vernünftig. Sonst habe ich bis heute Mittag nicht geduscht. Mein Gesicht hat wohl auch wieder ziemlich genau das ausgesagt.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nur gut, dass Mama mittlerweile weiß, dass mein Kopf manchmal solche Aussetzer hat und sie es entsprechend nicht (wirklich) persönlich nimmt. Ansonsten hätte es da vermutlich zwischen uns geknallt.

Ich und mein Kopf arbeiten daran, dass Zeit relativ ist und die Kraft in der Ruhe liegt.

Da kann ich mir mittlerweile schon echt gut vorstellen, dass es in vielen Beziehungen ordentlich kracht. Egal wie harmonisch die Beziehung in pre Baby-Zeiten auch war.

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