Ich habe mich vor ein paar Wochen dazu bereit erklärt, weil Junior langsam aber sicher neue Klamotten in der nächsten Größe braucht, mit auf einen Kinderflohmarkt zu gehen. Und heute war es soweit.

Vor Anpfiff

09.30 Uhr: Die Vorzeichen der Teilnehmer am Ausflug könnten nicht unterschiedlicher sein. Mama liebt shoppen und durch Läden bummeln. Ich gehe selbst dann nur ungern einkaufen, wenn ich meinen Bestand an Hosen wieder auffüllen muss, weil die anderen Hosen in die Jahre gekommen sind.

09.50 Uhr: Sachen gepackt und es geht los zu Norddeutschlands größtem Kinderflohmarkt. Im Treppenhaus sage ich zur Mama: “Fühlt sich gar nicht so schlimm an wie ein nur-ein-bisschen-gucken-Besuch bei Ikea – ist ja schließlich ein Ausflug mit Sinn und Zweck. Da können wir uns ganz in Ruhe Zeit nehmen.”

09.51 Uhr: Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, ob mich mein letzter Satz nicht noch einholen wird.

Meine ersten Schritte auf einem Kinderflohmarkt

10.45 Uhr: Eine ereignislose Busfahrt später, während der Junior selig eingeschlummert ist, hält der Bus am Elbe-Einkaufszentrum und mein Kopf sagt sich mantraartig “wir sind da ruckzuck durch, wird schon nicht so voll sein, heute Nachmittag gibt es Kuchen” …

10.47 Uhr: Schlange stehen am Eingang … zugegeben aber nur sehr kurz und mit drei Euro Eintritt sind wir dabei und es geht los.

10.48 Uhr: Menschen. Überall Menschen in sehr schmalen Gängen. Und fast alle schieben verrückter Weise auch noch einen Kinderwagen vor sich her. “Naja, drehen wir halt eine Runde.”, denke ich mir.

10.50 Uhr: Die erste Abzweigung im Elbe-Einkaufszentrum und mir wird bewusst, wie riesig das Dingen ist … auf zwei Etagen.

10.52 Uhr: Der erste Stand mit vielversprechend aussehender Auswahl. Feinsäuberlich sortiert nach Größen sowie nach Jungen und Mädchen Klamotten – was man bei den meisten Ständen auch einfach an der farblichen Trennung erkennen konnte. Der erste Stopp. Mama mitten rein ins Gewühl, ich mit noch schlafendem Junior vor der Brust rechts ran und uns möglichst schmal machend, damit der restliche Verkehr weiter rollen kann.

10.54 Uhr: Mitten im Weg warten kann nicht die Lösung sein – also gehen Junior und ich ein paar Meter weiter, weil es da deutlich leerer aussieht.

10.55 Uhr: Und tatsächlich; alle 25 Meter halbwegs freie Einbuchtungen, in denen sich nicht nebeneinander her gedrängelt werden muss. Wie sich herausstellt reine Papa-Parkbuchten: Väter mit Kinderwagen, die auf die (irgendwann) nachfolgenden Mütter warten.

10.57 Uhr: Immer wieder dasselbe Bild: Väter die aus den Parkbuchten Blicke zurückwerfen und nach der Mama Ausschau halten, die sich kurz aus dem Gewühl hinauslehnt und schaut, ob alles gut ist. Kurzes Daumen hoch und jeder geht wieder seinem Job nach.

11.05 Uhr: Mama kommt mit der ersten Ladung Klamotten und stopft die Sachen in den Rucksack.

Die Routine setzt ein

11.15 Uhr: Ich habe das Spielchen verstanden und es plätschert jetzt so vor sich hin. Mit der gewonnenen Routine kann ich anfangen Menschen zu beobachten.

11.16 Uhr: Eine Mama schreit einem Vater hinterher, ebenfalls mit schlafendem Baby vor der Brust und den Kinderwagen schiebend, der das Spielchen ebenfalls begriffen zu haben scheint und in Richtung der nächsten Parkbucht unterwegs ist: “Schatzi, soll ich den Body hier noch mitnehmen?” – “Das kannst du entscheiden” antwortet er leicht genervt und signalisiert, dass er jetzt nicht mitten im Wegen stehen bleiben kann.

Nur gut, dass wir bei solchen Entscheidungen die Rollen schon seit ein paar Wochen klar verteilt haben. Da kommt ihr auch noch hin, euer Baby ist ja schließlich noch ein ganzes Stück jünger, denke ich mir.

11.26 Uhr: Mama kommt mit der nächsten Ladung Klamotten und Junior ist wach, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Nächstes Level: Junior auf einem Arm, den Kinderwagen mit dem anderen Arm schiebend. Wir ziehen weiter.

11.30 Uhr: Es gibt Nichts, was es nicht gibt. Eine pinke PlayStation 2 in der Mädchenabteilung des nächsten Tisches, direkt gefolgt von einer riesigen Plastikwerkbank, gebranded mit drei (!) großen Logos eines namenhaften deutschen Werkzeugherstellers.

Gar nicht so schlimm hier

11.38 Uhr: Wir finden das benötigte Winterjäckchen für Junior.

11.39 Uhr: “Was hast du bisher ausgegeben?” frage ich Mama, weil sich der Rucksack doch schon merklich gefüllt hat. “Mit der Jacke jetzt vielleicht 25 Euro”. Cool, denke ich mir. Das ist genau das Richtige für mich sparsamen Lipper.

Und was soll ich sagen, so ein Kinderflohmarkt ist tatsächlich eine sinnvolle und gar nicht so schlimme Veranstaltung. Günstige und gut erhaltene Kinderklamotten, aus denen Junior eh in ein paar Wochen wieder herausgewachsen ist.

11.40 Uhr: Ich sage ernsthaft “können wir gerne nochmal machen!” und ernte einen erstaunten, aber erfreuten Blick.

11.50 Uhr: Junior bekommt Hunger und wir suchen uns ein Plätzchen zum Sitzen – wieder einmal vor einer Eisdiele. Da scheint es irgendeinen Zusammenhang zu geben. Ich habe in den letzten fünf Monaten so viel Eis gegessen, wie mein ganzes Leben vorher nicht.

Ich werde sogar noch nach meinem Rat als Papa gefragt

12.20 Uhr: Junior, der mittlerweile bäuchlings im Kinderwagen liegt, und ich albern rum, als mich ein etwas jüngerer Typ anspricht und mich fragt: “Seid ihr mit dem Kinderwagen XYZ von BBB zufrieden?”. Da konnte ich sogar noch meine gute Tat für den Tag erledigen.

12.30 Uhr: Mein Satz vor Anpfiff des Spektakels holt mich tatsächlich wieder ein: wirklich sinnvoll so ein Kinderflohmarkt. Gerade weil Babys nun einmal echt schnell aus der Kleidung herauswachsen und die Kleidung entsprechend wenig abgetragen ist. Man stelle sich mal vor, die Kleidung würde alle weggeschmissen werden, sobald ein Kind zu groß dafür ist …

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