Ich bin großer Freund von Ehrlichkeit. Ich erwarte, dass mir andere Menschen ihre ehrliche Meinung sagen. Wie sonst soll ich im Leben voran kommen?

In den meisten Situationen kann ich es mittlerweile auch sehr gut, ehrlich zu sein – wie soll ansonsten auch mein Gegenüber im Leben oder im Job weiterkommen? Ich will demjenigen ja nichts Böses.

Mit flunkern und lügen einfacher durchs Leben – nur kurzfristig

Ich will gar nicht abstreiten, dass ich im Leben sicherlich schon etliche Male gelogen, geflunkert oder Notlügen benutzt habe. Egal wie ich es nenne, ich war in diesen Momenten nicht ehrlich.

Schwieriger Fall – Lügen um X zu umgehen

Ich erwische mich an häufigsten beim Nicht-ganz-ehrlich-sein, wenn es um, nennen wir es Kleinigkeiten geht.

Beispiel: “Wie geht’s? Alles gut?” – “Klar, muss ja. Und selbst?” – “Gut, danke. Gibt es was Neues?” – “Ne ne.”.

Damit ist es schon geschehen. Kleine Fragen, die alleine schon aus Höflichkeit gestellt werden. Meistens habe ich schlicht und einfach keinen Bock, offen und ehrlich zu antworten. Warum? Habe ich mich auch gerade gefragt.

Zum einen glaube ich irgendwie nicht dran, dass es das Gegenüber in den meisten Fällen wirklich interessiert – die Frage stellt man halt so.

Zum anderen schließe ich vermutlich stark von mir auf Andere. (Viel und offen) reden ist einfach nicht so meins. Warum also ganze Geschichten erzählen? Und was geht es die Anderen schon an?

Umso mehr wundere ich mich gerade einmal mehr, dass ich das hier alles schreibe. Aber es hat mir immerhin schonmal wieder eine Einsicht gebracht: So sehr ich auf Ehrlichkeit stehe, muss nicht gegenüber allen Menschen sein.

Worauf will ich eigentlich damit hinaus?

Die Folgen auf lange Sicht

Beispiel von letzter Woche: Ich war gerade unterwegs um den frisch geschlüpften Junior beim Standesamt anzumelden. Da kommt mir jemand entgegen, den ich ganz gut vom Fußball kenne. Wie es die Situation so will samt Frau und Baby. Und wie sollte es anders sein: “Wie geht’s? Alles gut?” – “Danke, muss ja.”. Ein bisschen ging das Gespräch noch weiter, drehte sich um wie alt ist euer Baby und so. Dann: “Und, gibt es bei dir was Neues?” – “Ne ne. Ich muss jetzt auch weiter. Wir sehen uns bald bestimmt wieder am Sportplatz, haut rein.” Und wir gingen unserer Wege.

Meinen Junior habe ich bewusst nicht zum Thema gemacht. Warum die ganze Geschichten erzählen? Warum sollte es die Anderen interessieren?

Kurzfristiger “Erfolg”: Ich musste keine langen Reden schwingen und konnte meiner Wege gehen. Super – für den Moment.

Langfristig Ergebnis: Vermutlich laufe ich dem Kollegen bald mit vor die Brust gespanntem Baby über den Weg. Das Gespräch wird schnell auf “und, wie alt ist er?” kommen und ich dastehen, wie der letzte Depp. Mindestens werde ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich weiß, dass ich in der Ausgangssituation nicht wirklich offen und ehrlich war. Und mit Wertschätzung gegenüber dem Anderen hat das auch wenig zu tun, oder?

Ob ich es anders machen werden, sollte so eine Situation wieder vorkommen? Ich hoffe.

Es wäre ja mit einem einfachen “unser Baby ist vor vier Tagen auf die Welt gekommen. Der Kleine und Mama sind noch im UKE, da würde ich jetzt gerne auch schnell wieder hin – nehmt es mir nicht übel. Wie sprechen die Tage, ja?” getan.

Lügen sind wie ein Boomerang

Ich würde wetten, dass ein 99,9% aller Lügen im Laufe des Lebens wieder einholen und zu einem zurückkommen. Kurzfristig mögen sie helfen, bestimmte Situationen zu entschärfen, zu umgehen oder was auch immer.

Langfristig glaube ich da nicht dran. Und je länger es dauert, desto peinlicher ist dann der Moment, indem man eine Lüge eingestehen muss. Geschweige denn versucht, die Lüge aufrecht zu erhalten, obwohl die Lüge offensichtlich ist.

Also lieber gleich offen und ehrlich sein – ich arbeite daran.

Meine Mama pflegte zu sagen “Lügen haben kurze Beine” und das werde ich Junior sicherlich auch mit auf den Weg geben. Hoffentlich klappt das auch.

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