Ich habe mich in einem früheren Beitrag schon einmal damit beschäftigt, Aspekte und Fragestellungen aus artfremden Bereichen miteinander zu verknüpfen: Dazulernen & Brücken bauen – zwischen dem Job & Fußball.

Einen Synergieeffekt erschaffen

Kurz zum Abholen: Ich bin davon überzeugt, dass in (m)einem Leben alle Sachen irgendwie miteinander verknüpft sind bzw. man alle Dinge sinnvoll miteinander verknüpfen kann.

Dabei geht es vor allem darum, Gelerntes auf andere Bereiche oder Situationen zu übertragen. Sozusagen darum, einen Synergieeffekt zu schaffen.

Solch ein Effekt hat sich für mich aus der Verknüpfung des Buchs “The Lean Startup” von Eric Ries und, wie sollte es bei mir auch anders sein, Fußball bzw. (Hobby-)Sport im Allgemeinen ergeben.

The Lean Startup – vom MVP und validiertem Lernen

Das Buch The Lean Startup bzw. die Methodik dahinter beschreibt letztendlich worauf es ankommt, wenn man ein erfolgreiches Startup gründen möchte.

Wie ich vor ein paar Jahr bei dem Buch gelandet bin, weiß ich gar nicht mehr. Ich glaube, mein Chef hat das Buch irgendwann mal als lesenswert erwähnt gehabt. Und er hatte sowas von recht.

Zwei wesentliche Methoden für ein erfolgreiches Startup sind die Entwicklung eines sogenannten MVPs (Minimum Viable Products oder auf Deutsch minimal überlebensfähiges Produkt) und validiertes Lernen.

Das Minimum Viable Product

Der Gedanke hinter dem MVP eines Startups ist der, dass ein Unternehmen nicht erst jahrelang etwas im Geheimen entwickelt und Massen an Geld für etwas ausgibt, von dem das Unternehmen (blind) davon ausgeht, dass das Etwas nachher auch jemand kaufen wird, wenn es fertig ist.

Es geht darum, mit einem minimal überlebensfähigem Produkt schnellstmöglich auf potenzielle Kunden zu zugehen, um frühestmöglich Feedback einzuholen.

Das wohl bekannteste Beispiel dürfte Zappos sein – ein riesiger Online-Shop für Schuhe. Es begann damals damit, dass der Typ hinter Zappos losgegangen ist, Schuhe in Läden abfotografiert hat und mittels der selbst gemachten Bilder die Schuhe über seine Website zum Verkauf angeboten hat. Als wirklich der erste Nutzer Schuhe über seine Website bestellt hat, ist der Typ zurück in den Laden, hat die Schuhe gekauft und sie entsprechend versendet. Darüber hat er ziemlich schnell gelernt, dass ein Online-Shop für Schuhe nicht die schlechteste aller Ideen war. Das ist im Übrigen echt kein Scherz!

Frühestmöglich Feedback einholen könnte man auch als Validieren des MVPs bezeichnen, wo wir bei der zweiten genannten Methode sind.

Validiertes Lernen

Über das MVP geht es Startups darum, schnellstmöglich zu lernen, was dem MVP noch fehlt, was Nutzer vom MVP halten oder wo es Verbesserungsbedarf gibt. Wie das MVP letztendlich unter stetigem Feedback der Zielgruppe weiterentwickelt werden kann.

In vielen aufeinanderfolgenden Iterationen – ein ständiger Kreislauf aus bauen, messen, lernen – wird dieses Sammeln von Feedback entsprechend mit Daten und Zahlen validiert.

Fertig ist die Methode validiertes Lernen.

Ja, sehr in Kurzform und zusammengeschrumpft, aber es ist schon ganz schön spät (21.44 Uhr) und für den Beitrag hier reicht es hoffentlich als Info.

Fußball und die Brücke zu The Lean Startup

Beim Fußball gibt es, wie vermutlich bei nahezu jeder anderen Sportart auch, spannende Parallelen oder Anknüpfungspunkte für Brücken zu den genannten Methoden aus The Lean Startup.

Die Fußballmannschaft als MVP

Wenn wir uns sonntags zu den Spielen auf den Platz bewegen, sind wir das minimal überlebensfähige Produkt, für das es gilt Feedback einzuholen, um im Idealfall für die nächsten Spiele daraus zu lernen.

Wenn du wüsstest, was wir aktuell für eine Trümmertruppe sind, wüsstest du auch, dass es minimal überlebensfähiges Produkt echt gut trifft: Wenn es gut läuft bekommen wir elf nüchterne und allergiefreie Typen auf den Platz, die als Fußballmannschaft durchgehen.

Jeden Sonntag: validiertes Lernen

Mit diesem MVP gehen wir in der Saison jeden Sonntag auf den Platz und schauen, was die Daten so zu unseren Fortschritten sagen, während wir zweimal die Woche beim Training versuchen uns (das MVP) weiterzuentwickeln.

Ich kann zwei Sachen verraten:

  1. Dass die “Daten” meistens nicht für unsere gemachten Fortschritte sprechen.
  2. Dass wir aus meiner Sicht viel Luft nach oben haben, was das Erheben von Daten – im Sinne von Rückschlüssen was gut lief, was nicht gut lief – angeht.

Aber wir bleiben trotzdem dran. Und vielleicht schaffe ich es ja später in meiner irgendwann angestrebten Trainer-Karriere, mir die Methoden stringenter zu Nutze zu machen – ich habe es auf jeden Fall vor.

Die Brücke zurück vom Sport in die Arbeitswelt

Das ständige Weiterentwickeln des MVPs bzw. der Mannschaft und das validierte Lernen in Iterationen bzw. von Spiel zu Spiel finde ich wie geschrieben zwei schöne Brücken zwischen den beiden artfremden Bereichen Arbeiten und Sport. Und die Methoden können denke ich das stets angestrebte Weiterentwickeln einer Mannschaft unterstützen.

Andersherum glaube ich aber auch, dass ein Grundgedanke aus dem Sport bestens in Unternehmen bzw. den Job transportiert werden kann: Nämlich immer sein Bestes zu geben, dran zu bleiben, sich selber im Sinne der Mannschaft weiterzuentwickeln, um zusammen etwas zu erreichen.

Stell dir vor, wir würden es beim Sport so wie mit der Produktentwicklung halten, wie viele Unternehmen: Wir würden erst auf den Platz gehen, wenn wir glauben würden, Bundesliga spielen zu können. Wir würden nie im Leben marktreif werden oder an einen Punkt kommen, dass wir das Produkt überhaupt testen würden. Geschweige denn, dass wir das während unserer Produktlebenszeit schaffen würden. Wir würden in einem Regal verstauben, wie vermutlich schon tausende Weltideen vor uns, die nie das Tageslicht erblicken duften.

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