Ich habe in letzter Zeit wieder häufiger von lebenslangem Lernen gelesen und wie wichtig lebenslanges Lernen ist – egal ob nun für den Job, das Leben generell oder die eigene Lebensqualität.

Gedanken, die man sich halt so zu dem Thema macht, wenn man morgens um 06.15 Uhr mit Baby auf dem Sofa sitzt:

  • Wie schaffe ich es, dieses aktuell noch so hilflose Wesen (das gerade zur Untermalung meiner Gedanken in meinem Papa-Tragetuch vor meinem Bauch pennt und vor sich hin schnauft – schnaufen hat er übrigens von mir) auf das Leben in dieser Welt vorzubereiten?
  • Woher soll er bzw. wie sollen Kinder im Allgemeinen die Dinge lernen, die es im 21. Jahrhundert braucht?
  • Welche Dinge wird ein Kind überhaupt für diese Welt brauchen?

Überlebenswichtige Dinge

Die aktuell zum Überleben wichtigen Dinge, Essen und Trinken oben rein, unten abgearbeitet wieder raus oder sich bemerkbar machen, wenn ein Säbelzahntiger vor der Balkontür steht; die hat der Kleine schon gut drauf.

Was mich guter Hoffnung sein lässt, dass die Natur auch dafür sorgt, dass das mit dem Fluchtreflex und so auch funktionieren wird.

Kann ich übrigens auch alles.

Lebenswichtige Dinge

Hier fange ich mich schon an zu fragen, was heutzutage lebenswichtige Dinge sind?

Ein Feuer ohne Feuerzeug machen zu können ist zwar echt cool und war sehr lange Zeit überlebenswichtig, aber wird hoffentlich nie von Nöten sein.

Sozialer Umgang und diverse Soft Skills wird der kleine Mann hoffentlich u.a. durch seine Eltern mit auf den Weg bekommen.

Die KiTa und der Umgang mit anderen Kindern wird auf dem Weg bis zur Schule vermutlich auch einen wichtigen Einfluss haben.

Apropos Schule

Ist das heutige Schulsystem noch zeitgemäß? Kurz zusammengefasst:

  • Die meisten Schulen konzentrieren sich darauf, Kinder mit Wissen und Informationen vollzustopfen. Ob es später nun hilfreich sein wird oder nicht.
  • Kinder mit Informationen vollzustopfen war früher vielleicht wichtig, weil es nur sehr schwer war, Wissen zu erlangen, welches einem nicht quasi in die Wiege gelegt wurde bzw. von Mama, Papa, dem Stammesführer weitergegeben werden konnte. Heute sind Informationen nahezu jederzeit und nahezu für jeden abrufbar.
  • Was eher weniger im Mittelpunkt steht: Kinder zu befähigen, Informationen zu interpretieren, zwischen wichtig und unwichtig (Fake-News zum Beispiel) zu unterscheiden und die Masse an Informationen zu einem umfassenden Bild der Welt zusammenzusetzen.

Also schon eher ein wackeliges Fundament, für die nachfolgenden Jahre. Der Großteil dieser Zusammenfassung stammt übrigens von Yuval Noah Harari.

Wenn sich an dem Schulsystem bis ca. 2025 nicht wirklich was ändert, kann der Kleine 2035 sicherlich so coole Sachen wie:

  • die P-Q-Formel.
  • Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst.
  • Anhand einer Stadtkarte erkennen, ob es sich um eine gewachsene oder geplante Stadt mit T-Kreuzungen handelt, die Unfallrisiken senken.
  • Und was man halt so lernt, aber spätestens nach 13 weiteren Lebensjahren wieder vergessen hat.

Und dank der neuen Schulreform und den frei gemachten Milliarden:

  • ein Tablet bedienen – was wir vielleicht auch so hinbekommen würden.

Zu meiner Zeit gab es dann noch den Konfirmations-Unterricht …

… zu dem wir – man mag es erahnen – hauptsächlich wegen der zu erwartenden Geldgeschenke gegangen sind. Ist trotzdem eine Erwähnung wert, weil ich die folgenden Dinge durchaus wichtig finde, die alle Weltreligionen irgendwie aufgreifen:

  • Mitgefühl
  • Demut
  • Bescheidenheit
  • Ehrlichkeit

Aus meiner Sicht alles extrem wichtige Dinge für das heutige Leben. Vielleicht wichtiger als jemals zuvor, wenn alles Andere einem immer schneller werdenden Wandel unterzogen ist.

Was braucht es also an Fähigkeiten?

Ich persönlich glaube fest an die Aspekte

  • Positive Grundeinstellung, weil dadurch das Leben schlicht und einfach besser und einfacher ist. Warum sich die ganze Zeit sorgen machen?
  • Eine gut ausgeprägte Resilenz, also die Fähigkeit mit negativen Erfahrungen oder Rückschlägen klar zu kommen bzw. diese (schnell) zu verarbeiten. Einfach weil einem im Leben immer wieder Steine vor die Füße fallen werden, aus denen man etwas Cooles machen muss. Geht mit der positiven Grundeinstellung einher.

Und die vorhin schon erwähnten Dinge

  • Ehrlichkeit
  • Mitgefühl
  • Demut
  • Bescheidenheit

Wird bei Gelegenheit vielleicht mal weiter ergänzt.

Andere wichtige Dinge

Einen guten Musikgeschmack – braucht halt einfach jeder.

Hier ist übrigens der Plan, dem Baby für den Anfang Musik vorzuspielen, die wir mal so überhaupt nicht mögen. Warum? Ganz einfach. Damit das Kind in seiner Teenager-trotz-Phase, um uns so richtig Einen auszuwischen, genau diese Musik nicht hört, sondern denkt, uns mit Brian Fallon, Rise Against oder NDR 90,3 so richtig zur Weißglut bringen zu können. Voll kluk von uns – k. l. u. k.!

Wird das ausreichen?

Auch wenn die Beispiele vielleicht hinken und ich sicherlich Tonnen von Dingen nicht bedacht habe:

Aber wird das ausreichen, damit er auf eine sich immer schneller verändernde Welt vorbereitet ist?

Die Schule bzw. das aktuelle Schulsystem kann es alleine nicht leisten. Darf meiner Meinung nach aber auch nicht der Anspruch an Schule sein. Genau so wenig, wie die Kita dafür zu sorgen hat, dass ich bis zum Schulalter ein wohlerzogenes und reinliches Kind haben werde.

Ich denke es wird schnell klar, dass es ein Zusammenspiel von vielen Dingen sein muss und sein wird.

Eine wichtige Rolle in dem Zusammenspiel werde ich natürlich auch als Papa spielen. Aber bin ich eigentlich auf die mir vermutlich bleibenden 50 Jahre plus minus vorbereitet? Ich, der gerade ein Stück weiter Multitasking gelernt hat, nämlich Pipi, Kacke und Kotze gleichzeitig von einem Kind zu entfernen. Ein bisschen Zweifel ich daran…

Für den Moment und die nächsten paar Wochen bringt mich dieser neuer erworbene Skill auf jeden Fall weiter – und vielleicht bekomme ich dafür auch einen anerkennenden Blick der noch schlafenden Mutter meines Kindes.

Die ich jetzt gleich allerdings wecken muss, weil ich ein paar Sachen naturgemäß einfach nicht kann.

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