Wie heißt es doch so schön? “Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung”. Und ich glaube, dass das definitiv stimmt.

Was ich auch glaube ist, dass man extrem davon profitiert, wenn man es schafft, Erkenntnisse und Gelerntes aus allen Lebensbereichen miteinander zu verknüpfen – von Fußball über das Studium bis hin zur Arbeit. Wichtig ist:

Erstmal an die eigene Nase fassen

Während meines Masterstudiums, dass jetzt auch schon wieder gute fünf Jahre zurückliegt, gab es einen Kurs, in dem es um Führung von Mitarbeitern ging. Ein wichtiger Aspekt – nicht nur in Bezug aufs Thema Mitarbeiterführung – war, dass es immer der einfachere Weg ist, eine Situation zu verändern, indem man sein eigenes Verhalten anpasst bzw. ändert. Und eben nicht versucht, das Verhalten des anderen Menschen zu verändern.

Das soll nicht heißen, man ist wie ein Fähnchen im Wind und weht immer in die Richtung, die dem Gegenüber genehm ist.

Es muss viel mehr darum gehen, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Was kann ich tun, um eine Situation positiv zu verändern?
  • Wie kann ich die nächste Situation positiver gestalten?
  • Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?

Rückblickend auch wieder etwas, wofür ich eine ganze Weile gebraucht habe, um das zu verinnerlichen – denn kurzfristig ist es sicher nicht der einfachste Weg.

Der einfache Weg: Anderen die Schuld geben

Häufig ist es am einfachsten, Anderen die Schuld zu geben: “aber der Andere hat doch” oder “die blöde Kuh / der Arsch soll einfach mal mit [negative Eigenschaft der Wahl einsetzen] aufhören. Ich verhalte mich immer tadellos”.

Man schiebt also die Schuld oder die Verantwortung pauschal von sich und verhindert damit (im schlimmsten Fall), dass man die Situation noch einmal für sich selbst reflektiert und daraus lernt. Sich selbst basierend darauf weiterentwickelt.

Man muss sich selbst halt einen Fehler oder uncooles Verhalten eingestehen. Vielleicht auch, dass man etwas einfach nicht so gut kann. Fällt glaube ich vielen Leuten extrem schwer. Leider durchaus etwas, was in der heutigen Gesellschaft zu Problemen führt – #merkelistschuld.

Beide Seiten müssen sich aufeinander zu bewegen

Das Prinzip macht allerdings auch nur dann Sinn, wenn – im einfachsten Fall – beide Personen den Weg gehen, zunächst mal das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Nehmen wir für einen Moment mal als extremes Beispiel an, dass zwei Personen in einer Situation komplett gegensätzliches Verhalten an den Tag legen. Jede Person denkt, er habe die Weisheit mit Löffeln gefressen, auf jeden Fall recht, richtig gehandelt und die andere Person ist schuld.

Bedeutet im Umkehrschluss sicherlich nicht, dass

  • beide Personen die Situation selbstkritisch betrachten und hinterfragen.
  • Beide Personen ihre Lehre aus der Situation ziehen, um zukünftige Situationen anders zu lösen.

Ergo die beiden Personen werden sich vermutlich nicht einmal mehr mit dem Arsch anschauen. Wenn das auch der Fall ist, nachdem beide Personen ihr Verhalten vernünftig reflektiert haben, okay. Man muss ja nicht mit jeder Person klarkommen.

Besser wäre es schon, wenn eine von beiden Personen zur Selbstreflexion fähig ist und die richtigen Schlüsse zieht. Man würde sich annähern können und vielleicht käme man sich zumindest so nahe, dass man vernünftig miteinander umgehen kann. Auch wenn die eine Person sicherlich das Gefühl haben wird, die andere Person ist stur und uneinsichtig. Während die andere Person meint, dass sich das Gegenüber noch weiter ändern müsste, damit alles gut ist.

Wenn sich jetzt beide Personen fehlerhaftes Verhalten eingestehen können, kann man sich in der Mitte treffen – sicherlich die beste Ausgangslage für zukünftige Situationen.

Den gemeinsamen Nenner finden

Das wird natürlich nicht immer funktionieren. In vielen Situationen im Leben muss es ja auch gar nicht darum gehen, dass sich alle total lieb haben. Aber gerade im Arbeitsleben oder beim Sport sollte es nicht um den Weg des geringsten Widerstandes – der Andere ist schuld und muss sich ändern, nicht ich – gehen. Man muss halt in unterschiedlichen Situationen vernünftig miteinander klar kommen.

Damit das klappt, müssen aber beide Seiten in der Lage sein, sich Schwächen, Fehler oder auch Unwissenheit einzugestehen, um daraus lernen zu können – was sicherlich eine wichtige Fähigkeit für das 21. Jahrhundert ist. Bei der ich jetzt schon darüber nachdenke, wie ich es meinem nun 13 Tage alten Junior mitgeben kann: Lernen & das lebenslang – wie gebe ich das einem Kind mit auf den Weg?

Selbsterkenntnis: Schwächen & Unwissenheit eingestehen

Es gibt sicherlich Sachen, bei denen es wesentlich einfacher ist, sich eine Schwäche oder einen Fehler einzugestehen, als bei anderen Sachen.

Mir persönlich fällt es mittlerweile zum Beispiel total leicht, mir meine Schwächen einzugestehen, wenn es ums Fußballspielen geht. Ich bin nicht gerade der Schnellste. Wenn ich unter Gegnerdruck gerate, kann ich keine guten Entscheidungen mehr treffen. Sowas halt.

Um mal Jürgen Klopp aufzugreifen: Wenn meine Füße das umsetzen würden, was mein Kopf alles denkt, wäre ich reine Weltklasse. Sicherlich ein Mix aus Messi, Steven Gerrard und einer Prise Sami Hyypiä.

Darüber kann ich witzeln, das bin halt einfach ich. Hat sicherlich auch mit dem Zeithorizont zu tun, in dem ich mich damit beschäftige. Tue ich schon lange.

Schwieriger hingegen fällt mir zum Beispiel einzugestehen, dass es auf lange Sicht nichts bringt, sich aus unangenehmen Situationen mit Notlügen zu befreien. Das hilft echt nur kurzfristig, denn Lügen haben kurze Beine und Ehrlich währt eben am längsten. Damit hingegen beschäftige ich mich so richtig seit zwei Wochen, da mir da erst die Erkenntnis kam.

Wird sicherlich auch nicht die letzte Selbsterkenntnis in meinem Leben gewesen sein – würde ansonsten ja aber auch langweilig werden.

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