Wir hatten heute den ersten Baby-angucken-Besuch zu Gast. In einem Moment schweifte mein Kopf dann zu dem Gedanken, dass bestimmt, wenn alle drei halbwegs frisch geschlüpften Babys mal an einem Ort versammelt sind, irgendwer auf die folgende glorreiche Idee kommen wird:

Lass uns doch mal alle drei nebeneinanderlegen und ein Foto machen. Das ist doch bestimmt so super süß und besonders und eine tolle Erinnerung und und und …

Irgendjemand aus der Familie, in naher Zukunft

Mein Gedanke zu dieser noch nicht geäußerten Idee war schon nur beim dran Denken:

Ne, auf gar keinen Fall. Nicht mit unserem Baby. Das’ doch voll albern. Und und und …

Ich, gerade eben

Dann aber kam mir die zusätzliche Frage, warum ich innerlich so gegen dieses Bild bin? Und was soll ich sagen? Ich habe auf das Warum keine wirkliche Antwort.

Auf “warum?” keine Antwort haben – Achtung: Gefahr!

Erst hatte ich es recht interessiert in irgendeinem Buch über Organisationsentwicklung gelesen, dann ein bisschen beobachtet und mittlerweile habe ich es auch verstanden:

Wenn ich auf eine sinnvolle Frage à la “Warum machst du das so?”, “Warum wird das in diesem Unternehmen so gemacht?” oder auch “Warum bist du denn so gegen das Bild?” keine vernünftige Antwort habe, lohnt es sich umso mehr, kritisch über die Frage bzw. die nicht vorhandene Antwort nachzudenken.

“Wir machen das schon immer so.”

Ich finde das Beispiel aus Unternehmen am besten. Jeder wird vermutlich schon einmal die Situation erlebt haben, in der jemand die Frage stellt: “Warum wird das so gemacht?”.

Die Antwort: “Das machen wir schon immer so”, wird vermutlich auch jeder schon einmal zuhören bekommen haben. Bei dieser Antwort lohnt es sich meistens sehr, tiefer zu buddeln – denn ein “das machen wir schon immer so” sollte keine wirklich zufriedenstellende Antwort sein.

“Das machen wir schon immer so” heißt ja in den seltensten Fällen, dass das auch die beste Lösung oder der beste Weg für etwas ist. Häufig gibt es sogar viel schlauere Wege oder Lösungen, ein Thema anzugehen. Hat halt nur noch nie jemand wirklich drüber nachgedacht. Ist doch total logisch, dass das so gemacht wird. Ne, eben nicht.

Wäre die Antwort auf eine vertiefende Nachfrage wie “und warum wird das schon immer so gemacht?” ein “hat sich in der Vergangenheit als die beste aller getesteten Lösungen herausgestellt”, dann wäre es logisch und nachvollziehbar – heißt natürlich auch dann nicht, dass es nicht vielleicht noch besser ginge.

Wenn das aber nicht der Fall ist, führt die vertiefende Nachfrage vielleicht sogar eher dazu, dass sich das Gegenüber angegriffen oder bloßgestellt fühlt: “Hörst du mir nicht zu? Das machen wir schon immer so … [du Pfeife]”. Hängt glaube ich sehr stark davon ab, in welch einem Umfeld (Unternehmen) die Frage gestellt wird und ob es potenziell überhaupt die Möglichkeit gäbe, ein “machen wir schon immer so” zu verändern.

Ich, in meiner eigenen Ich-AG, kann Warum-Fragen, auf die ich keine zufriedenstellende Antwort geben kann, auf jeden Fall angehen und verändern.

Warum? Immer eine sehr gute Frage!

Kritisches Hinterfragen von Dingen, Themen, Prozessen oder dem eigenen Denken ist – klingt eigentlich logisch, ist es häufig aber glaube ich nicht (siehe oben) –, sicherlich eine wichtige Basis für Weiterentwicklung in Unternehmen, für Selbsterkenntnis – der erste Schritt zur Besserung oder dem Weg zu einem selbst.

Wenn ich bis zur nächsten Familienzusammenkunft also keine sinnvolle Antwort auf “warum bist du da denn so gegen dieses tolle Bild?” habe – die nicht nur nach haarsträubender Ausrede klingt –, wird es vermutlich ein tolles Bild von drei Babys nebeneinander geben. An dem sich alle jahrelang erfreuen werden. Vermutlich ich dann auch.

Spätestens wenn der Nachwuchs ein bestimmtes Alter haben wird, werde ich sicherlich noch in genügend Situationen kommen, um mich mit Warum-Fragen auseinanderzusetzen …

“Maaama, was ist das da?” – “Ein Ladengeschäft.” – “Warum?”.

Ein Kind und seine Mama, gestern Nachmittag in der Sternschanze

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